Editorial DAS BÖSE…

… spielte eine große Rolle im Leben von Margy Palm, der Hauptprotagonistin unserer Geschichte „Die letzte Fahrt“. Palm war eine hochreligiöse Christin und der Kampf gegen das Teuflische ein bedeutender Teil ihres Glaubens. Der Mann, dem sie eines Abends begegnete, galt vielen als Inbegriff des Bösen: Stephen Morin wurde verdächtigt, mehr als 30 Frauen getötet zu haben, die Polizei hatte ihn bereits im Visier, und die Todesstrafe war ihm gewiss. Nachdem er Palm entführt hatte, saßen sie stundenlang in ihrem Wagen: ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte, und eine Frau, die so gut wie verloren war. Die Geschichte dieser beiden im Auto ist außergewöhnlich berührend, egal, ob man religiös ist oder nicht. Sie handelt nicht nur vom Kampf gegen das Böse, sondern auch vom Glauben an das Gute in anderen Menschen. Es geht um furchtbarste Taten, aber auch um Vertrauen, Verständnis und Vergebung. Palms fromme Inbrunst mag auf manche skurril und irritierend wirken, gerade angesichts der Brutalität des Mannes, der sie gefangen hielt. Aber genau deshalb regt dieser Fall zum Nachdenken an: Kann man jemandem verzeihen, der anderen so unermessliches Leid angetan hat, dass der Begriff „unverzeihlich“ dafür wie geschaffen scheint? Kann man daran glauben, dass selbst im allerschlimmsten Verbrecher noch ein guter Kern zu finden ist? Verdient jemand eine zweite Chance, der seinen Opfern nicht auch nur eine einzige Chance ließ? Diese Geschichte handelt von einem der gefährlichsten Serienmörder der USA. Aber sie handelt zugleich von einer Frau, die unfassbar mutig ist und im schrecklichsten Moment ihres Lebens etwas offenbart, was in einer solchen Situation wohl die wenigsten spüren würden: Zuversicht.